Gute Journalisten braucht das Land

Seit sieben Jahren leite ich das Abschlussprojekt des Journalisten-Kollegs im Kuratorium für Journalistenausbildung. Am Ende von neun Wochen journalistischer Grundausbildung erstellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb von dreieinhalb Tagen eine gedruckte Zeitung und einen Online-Auftritt. Bei der anschließenden Zertifikats-Verleihung war ich heuer, 2019, eingeladen, die Festrede zu halten.

Das Thema wählte ich unter dem Eindruck der innenpolitischen Verwerfungen, die die Investigativ-Reporter von Süddeutscher Zeitung und Spiegel mit der Veröffentlichung von Teilen der nunmehr als Ibiza-Gate bekannten Videos ausgelöst hatten.

Hier ist der Text der Festrede vom 24. Mai 2019 unter dem Titel “Gute Journalisten braucht das Land”:

(mehr …)

News ohne Paper- und was auf TV zukommt

news-ohne-paper129 Jahre lang haben die Zeitungsherausgeber in den USA ihre Interessenvereinigung “Newspaper Association of America” genannt. Die Zeitungsherausgeber bedrucken zwar weiter Papier, aber ihre Vereinigung heißt seit heute “News Media Alliance“. Die Namensänderung “ist der Höhepunkt eines breiten Strategieplan um die Weiterentwicklung der Nachrichtenindustrie zu einem digitalen Multi-Plattform-Geschäftszweig und Premium-Content-Anbieter herauszustreichen”,  wird in der entsprechenden Presseaussendung begründet.

Die Auswirkungen der Medienkrise in den USA – und ihnen ist die Namensänderung letztlich geschuldet – sind aus europäischer Sicht ein Blick in die Zukunft. Die Entwicklungen kommen zeitversetzt (und oft abgeschwächt) über den großen Teich.

Wird der “Verband Österreichischer Zeitungen” auch irgendwann sein “Z” aus dem Namen streichen?

(mehr …)

Zahlenspielerei … Zeitungssterben?!?

Roland Unger, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

 

Eine Zahlenspielerei. Die Datenspezialisten von OpenDataCity haben sich Zahlenkolonnen der IVW, der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V., in Deutschland vorgenommen. Herausgekommen ist ein interaktives Chart, in dem die Enwicklung der Auflagezahlen deutscher Zeitungen, die seit 2001 mindestens einmal eine Auflage von 25.000 Exemplaren hatten. “Wir projizieren die Auflagenzahlen in die Zukunft und berechnen, wie lange es dauert, bis eine Publikation die Hälfte ihrer Auflage verliert”, schreiben die Zahlenverarbeiter. Zeitungstitel nach Belieben eingeben und auf die Lupe klicken:

(mehr …)

2014 … eine Zustandsanalyse

Was  bringt 2014 für den JournalismusWenige Tage vor Neujahr, bevor aus 2013 2014 wird, ist in zahlreichen Rückblicken dargelegt worden, was im zu Ende gehenden Jahr die heimische Medienbranche mehr oder weniger bewegt hat – hier oder hier oder hier.

Trends für 2014 werden prophezeit – für die sozialen Netzwerke oder für den Medien- und Telekommunikationsbereich. Wir dürfen gespannt sein, ob sich die Ereignisse im kommenden Jahr an diese Prognosen halten.

Was diese Vorhersagen wert sind, liegt heute noch im Dunkel. Aber die Ausgangssituation für den Journalismus im nächsten Jahr lässt sich am Ende dieses Jahres zusammenfassen.

(mehr …)

The Future of Journalism is …

In einem inspirierenden Video haben Studierende der Columbia Journalism School unterschiedlichste Meinungen eingeholt, wie die Zukunft des Journalismus aussehen kann:

  • One-Man/Woman-Show
  • Freiberufler
  • Kollaboration
  • Datenjournalismus
  • Globalisierung

Das Video reflektiert naturgemäß stark die Mediensituation in den Vereinigten Staaten.

Future of Journalism from videostorytelling on Vimeo.

Zur Zukunft des Journalismus

Snow FallAls spektuakuläres Beispiel für das Potenzial digitalen Storytellings zeichnete die Jury des “Peacock Awards“, der am Grady College im US-Bundesstaat Georgia vergebenen Auszeichnung für elektronische Medien, “Snow Fall – the Avalanche at Tunnel Creek” aus. Eine multimediale Erzählung, die im Dezember 2012 von der New York Times veröffentlicht und nicht nur von der Fachwelt begeistert aufgenommen wurde. Im Überschwang der Begeisterung war schon davon die Rede, das sei die Zukunft des Journalismus. Eine sehr eindrucksvolle Multimedia-Reportage als Hoffnung für eine krisengebeutelte Branche … das wird es wohl nicht werden. Aber “Snow Fall” ist doch ein gutes Beispiel, wie attraktiver Journalismus im digitalen Zeitalter aussehen kann.

  (mehr …)

Umdenken zur Existenzsicherung

Prof. Christoph Fasel (c) KfJ

Journalisten dürften sich nicht an Konzepte für Tageszeitungen klammern, die im Jahr 2012 keine wirtschaftlichen Überlebenschancen mehr haben. Journalisten müssten sich, gut ausgebildet, vielmehr auf die Stärken ihres Handwerks besinnen: verständlich schreiben, den Leserinnen und Lesern Orientierung und Nutzwert bieten. Diese Qualitätsmerkmale würden von zahlungswilligen Kundinnen und Kunden umso mehr verlangt, als die Flut an Information gerade im Internet ständig zunimmt und für Verunsicherung sorgt.

Das sind die Kernaussagen eines Interviews, das ich mit dem Medienwissenschafter, Journalist und Buchautor Prof. Dr. Christoph Fasel im Anschluss an die Diplomverleihung zum Abschluss des 20. Österreichischen Journalisten-Kolleg  des Kuratoriums für Journalistenausbildung  am 29. Juni in Salzburg gemacht habe. Christoph Fasel  war der Festredner an diesem Abend.

(mehr …)

“Wenn Journalismus bleibt, wie er ist, bleibt er nicht”

Miriam Meckel (c) Claude Stahel
Beim “Reporter Forum 2012” am 14. Juni hat die Kommunikationswissenschafterin Miriam Meckel in einer Videobotschaft die Herausforderungen für den Journalismus der Zukunft aus ihrer Sicht zusamengefasst. “kress. Der Mediendienst” hat darüber berichtet. Die Zukunft des Journalismus liegt für Meckel nicht mehr darin, die Welt zu erklären, sondern die Dauergespräche und Datenströme zu kuratieren – und dies mit einem möglichst individuellen Stil. Darüber hinaus müssten Journalismus und seine Geschäftsmodelle diverser und wandlungsfähiger werden. Und wer Social Media nicht nutze, verfehle seinen Job, sagte Meckel.

(mehr …)

Zukunft des Journalismus: Macht braucht Verantwortung

Andreas Koller bei Zertifikatsverleihung KfJ“Wir Journalisten haben viel Macht, aber wir tragen wenig Verantwortung.” Das war eine der Kernaussagen von Andreas Koller, dem stellvertretenden Chefredakteur der Salzburger Nachrichten und österreichischer Journalist des Jahres 2010, als Ende Mai die 19 Absolventinnen und Absolventen des Journalisten-Kollegs des Kuratoriums für Journalistenausbildung ihre Zertifikate überreicht bekamen. Koller ist auch Vorstandmitglied des Kuratoriums. Thema des Festvortrags war “Journalismus hat Zukunft. Aber welche?

Es ist der Journalismus als solcher, den eine offene Gesellschaft mit Privilegien ausgestattet hat, damit er seiner wichtigen Funktion für diese offene Gesellschaft nachkommen kann.

So begründet Andreas Koller seinen Appell an die Berufskolleginnen und -kollegen, mit ihrer Macht verantwortungsvoll umzugehen. Gründe für diese Aufforderung gibt es ausreichend:

  • Die strikte Trennung zwischen Redaktion und Werbung/Öffentlichkeitsarbeit ist in vielen Medienbetrieben aufgehoben. Mehr noch: “Journalismus unter Kosten- und Zeitdruck ist heute immer öfter die verlängerte Werkbank professioneller PR-Strategen und Marketingabteilungen”, schreibt Thomas Leif vom”netzwerk recherche“.
  • In vielen Redaktionen wurden Personal und Ressourcen so stark eingespart, dass die verbleibenden Journalisten zum Beispiel nicht mehr ausreichend Zeit für Recherche oder Informantenpflege haben. Ganz zu schweigen von Aus- und Weiterbildung.

Medienfinanzierung über Regierungsinserate

Schließlich kritisierte Andreas Koller die ökonomische Nähe mancher Massenmedien zur Politik:

Wir erleben derzeit eine Allianz zwischen dem Zeitungsboulevard und der Politik, wie es sie kaum zuvor je gegeben hat. Eine Allianz, die weder den Zeitungen noch der Politik gut tut. Das hat einerseits mit der Inserierungsunkultur zu tun, auf die ich gerade hingewiesen habe. Und andererseits mit der Willfährigkeit bestimmter Politiker, die bestimmte Zeitungen nicht nur mit Inseraten überhäufen, sondern auch ihre Politik nach diesen Zeitungen ausrichten.

Bundesregierung und staatsnahe Betriebe, aber auch Landesregierungen inserieren in Printmedien um viel Geld – um so viel Geld, dass in Österreich sogar ein Gesetz für mehr Transparenz bei der Inseratenvergabe nötig wurde. “Schlechte Politiker und schlechte Journalisten gehen also Hand in Hand”, formulierte Andreas Koller beim Festvortrag vor den Absolventinnen und Absolventen des Kuratoriums für Journalistenausbildung.

“Ich glaube an die Zukunft des gedruckten Wortes”

Dennoch beließ es Andreas Koller nicht beim Aufzeigen der Fehlleistungen und Mängel der Branche. Im Gegenteil: “Ich glaube an die Zukunft des gedruckten Wortes” war eine weitere Kernaussage. Gerade im Zeitalter der sozialen Netzwerke, in der Überfülle nicht geprüfter Informationen; da sich die große Öffentlichkeit in eine Vielzahl von Interessengemeinschaften aufspaltet, sind nach Kollers Ansicht die klassischen Massnemedien als Träger des öffentlichen Diskurses unbedingt nötig.

Wenn sie wegfielen, fragte Koller, wer führte dann diesen öffentlichen Diskurs: “Ich weiß nur, dass Twitter und Facebook kein Ersatz für das Forum sind, das die klassischen Medien dem öffentlichen Diskurs bieten.” Andreas Koller sagte aber an prominenter Stelle, nämlich ganz am Anfang seines Vortrags, auch – vor allem in Richtung der Medienherausgeber – unmissverständlich:

Journalismus kostet Geld. Das klingt banal, scheint aber für manche Verleger eine neue und revolutionäre Erkenntnis zu sein. Wir haben Jahre des verlegerischen Irrglaubens hinter uns, wo es zum guten Ton gehörte, Journalismus durch sogenannten Content zu ersetzen und Journalisten durch beliebige Texter.

Gedanken zur Zukunft des Journalismus im Podcast

Journalismus benötigt ausreichend Geld, damit die Journalisten ihre wichtigen gesellschaftspolitischen Aufgaben auch erfüllen können. Die Aufgabe mit ihrer Macht verantwortungsvoll umzugehen, diese Aufgabe kann ihnen aber auch kein noch so hohes Redaktionsbudget abnehmen, ergänzt der Autor dieses Beitrags.

Weitere Gedanken zur Zukunft des Journalismus nannte mir Andreas Koller im Gespräch, das ich als Podcast diesem Beitrag beigefügt habe.

 

Zur Zukunft des Journalismus

Richard Gutjahr – Reporter, Fernsehmoderator, Blogger – ist ein erfahrener Wanderer zwischen der alten Welt der traditionellen Massenmedien und der neuen Medienwelt der Communities, der sozialen Netzwerke und der Multimediajournalisten. Insofern ist es interessant zu hören, wie Richard Gutjahr die Zukunft des Journalismus einschätzt.

Beim Tag des Wirtschaftsjournalismus an der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft am 30. März 2011 hat er folgendes Interview gegeben:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=3x33_VuX9VQ[/youtube]Richard Gutjahr – Reporter, Fernsehmoderator, Blogger – ist ein erfahrener Wanderer zwischen der alten Welt der traditionellen Massenmedien und der neuen Medienwelt der Communities, der sozialen Netzwerke und der Multimediajournalisten. Insofern ist es interessant zu hören, wie Richard Gutjahr die Zukunft des Journalismus einschätzt.

Beim Tag des Wirtschaftsjournalismus an der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft am 30. März 2011 hat er folgendes Interview gegeben:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=3x33_VuX9VQ[/youtube]Richard Gutjahr – Reporter, Fernsehmoderator, Blogger – ist ein erfahrener Wanderer zwischen der alten Welt der traditionellen Massenmedien und der neuen Medienwelt der Communities, der sozialen Netzwerke und der Multimediajournalisten. Insofern ist es interessant zu hören, wie Richard Gutjahr die Zukunft des Journalismus einschätzt.

Beim Tag des Wirtschaftsjournalismus an der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft am 30. März 2011 hat er folgendes Interview gegeben:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=3x33_VuX9VQ[/youtube]