Nicht mehr nur lesen – Printjournalistinnen machen Podcasts

Podcasts sind auch bei Printredaktionen mittlerweile ein beliebtes Angebot auf der eigenen Website für alle, die nicht nur lesen, sondern auch hören wollen. “Die Zeit” produziert sie, “der Standard” und auch die “Salzburger Nachrichten”.

Zwei junge Print- und Onlineredakteurinnen, Sabrina Glas und Katharina Maier, sind dort die Podcast-Pionierinnen. Sie produzieren seit mehr als einem Jahr einen Podcast im zwei-Wochen-Intervall.

“Die gefragte Frau”

Katharina Maier

Die gefragte Frau” heißt der Podcast, den die beiden seit März 2019 veröffentlichen. “Mehr als 280.000 Frauen leben im Bundesland Salzburg. Sie alle haben eine Geschichte zu erzählen. In diesem Podcast holen die ‘Salzburger Nachrichten’ einige von ihnen vor den Vorhang”, heißt es auf der Website des Podcasts. 33 Episoden sind es bis zum Abfassen dieses Textes geworden.

Sabrina Glas

Die erste Gesprächspartnerin war eine Ärztin, es folgten eine Bloggerin, eine Wolfsexpertin, eine Hausfrau, eine Bergführerin, eine Sexarbeiterin, …
Es sollen noch viele Podcast-Episoden folgen. Für Katharina Maier und Sabrina Glas ist ihr Podcast mittlerweile ein fixer Bestandteil ihrer redaktionellen Arbeit. Das gute Feedback von den Hörerinnen und Hörern sowie die Akzeptanz innerhalb der Redaktion bestärken sie. Immerhin bieten die Salzburger Nachrichten mittlerweile sechs Podcasts auf ihrer Website an.

In unserem Gespräch schildern sie, wie sie ins Podcasten hineingewachsen sind, wie viel Aufwand es ist und was es für Journalistinnen, Journalisten und deren Zeitung bringt auch akustisch in Erscheinung zu treten.

Den Podcast auf Anchor anhören.

Spiegelverkehrt: Radio- und Podcast-Nutzung

Wenn mit Podcasts in unseren Breiten noch nicht (viel) Geld zu verdienen ist, stellt sich die Frage: Warum sollten Medienunternehmen Podcasts produzieren? Katharina Maier und Sabrina Glas haben die Antwort in unserem Gespräch schon vorweggenommen: Podcasts bieten die Chance neue Publikumsschichten zu erreichen, die von Zeitung, Radio und Fernsehen nur noch schwer erreicht werden können.

Die Autoren des Digital News Report 2020 haben erhoben, wie viele der Befragten (monatlich) Podcasts und (wöchentlich) Radionachrichten konsumieren. Die Prozentzahlen beziehen sich jeweils auf den Anteil in der dargestellten Altersgruppe:

Digital News Report 2020, Seite 25

Die Grafik lässt sich zusammenfassen: je jünger ums mehr hören die Befragten Podcasts, je älter umso mehr journalistische Inhalte im Radio. Das Ergebnis bezieht sich nur auf Radio und stammt aus Großbritannien. Zumindest, was den Podcast-Konsum betrifft, sind die Ergebnisse der Österreich-Auswertung des Digital News Report 2020 ähnlich (Seite 65):

Analog zu den Altersgruppen in der Grafik oben, von jung bis alt:
54,9% | 45,9 % | 32,5 % | 22,4 % | 17,1 %

Das Making-Of dieser Episode

Die Produktion dieser Podcast-Episode war eine Premiere, was die Aufnahmetechnik betrifft. Die Redaktion der Salzburger Nachrichten ist für mich zwar leicht erreichbar. Aber die Corona-Vorsichtsmaßnahmen haben bei der Produktion verhindert, was ich so gerne tue: die Menschen persönlich zu treffen, mit denen ich ein Gespräch führe und auch aufzeichne.

Auch beim Podcasten gilt: Abstand halten. (Katharina und Sabrina versicherten mir, dass sie ihre Mikrofone in Baby-Elefanten-Entfernung aufgestellt hatten).

Jedenfalls: Geplagt durch die mittelmäßige Tonqualität bei Online-Konferenzen (meist mit Skype) entschloss ich mich Zencastr auszuprobieren. Das Besondere an diesem (und anderer) Services ist, dass die Gäste nicht auf meinem Computer aufgenommen werden. Vielmehr wird lokal, am Computer des Podcast-Gastes, aufgenommen und die Aufnahme dann an mich geschickt. Ich brauche sie nur herunterzuladen und kann eine Aufnahme in Studioqualität weiter verarbeiten. Vorausgesetzt, der Gast hat ein gutes Mikrofon und Audiointerface.

Zu Testzwecken habe ich die beiden Gesprächspartnerinnen auch auf meinem Computer aufgenommen und der Unterschied ist signifikant. Die Qualität der Aufnahme über das Internet war einigermaßen problematisch: einen kurzen Ausschnitt anhören (auf Pfeilspitze klicken). Die Audioqualität der Aufnahme mit Zencastr hingegen ist sehr gut: einen kurzen Ausschnitt anhören. (Keine der beiden Audioproben ist nachbearbeitet, nur die Lautheit habe ich auf -16 LUFS angepasst).

Das Handling von Zencastr, wie das Einladen der Gäste, ist einfach und benutzerfreundlich. Auch das Herunterladen der aufgenommenen Dateien ging zügig vonstatten. Zum Zeitpunkt dieser Podcastaufnahme war Zencastr (coronabedingt) kostenlos benutzbar. Ansonsten sind (laut Website) zwei Gäste und acht Stunden Aufnahmezeit pro Monat gratis. Wer mehr braucht, für den kann sich wegen der guten Audioqualität wohl auch ein Abo um $ 20 pro Monat auszahlen. Außerdem plant Zencastr nach eigenen Angaben auch Videofunktionen.

Ein vergleichbares Service bieten Riverside.fm (kostenlose Testphase, dann ab $ 15 pro Monat) und Squadcast (kostenlose Testphase, ab $ 9 pro Monat). Die beiden habe ich allerdings noch nicht ausprobiert.

mein “Podcast-Studio”

für Interessierte: mein Podcast-Setup

  • Mikrofon: Rode Procaster Großmembran
  • Kopfhörer: Beyerdynamic DT 770 Pro 80 Ohm
  • Audio-Interface: RODECaster Pro
  • Audio-Nachbearbeitung mit Hindenburg Journalist Pro

Foto-Credits:
Salzburger Nachrichten 3x
Dr. Gerhard Rettenegger
(alle Rechte vorbehalten)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.