Guter Ton braucht Kontrolle

Ein erfolgreiches Video braucht nicht nur eine gute Geschichte und gute Bilder, sondern auch … guten Ton. Unverständliche Originaltöne, verrauschte Aufnahmen lenken ab, ermüden, sind ein Zeichen von fehlender Professionalität. Daher muss der Ton bei der Aufnahme kontrolliert werden und das ist mit dem Smartphone durchaus eine Herausforderung.

Stiefkind Audio-Monitoring

Eine Herausforderung ist guter Ton bei Videodrehs mit dem Smartphone deswegen, weil Audio-Monitoring von den App-Programmierern stiefmütterlich behandelt wird. Das heißt: bei vielen Videoaufnahme-Apps sehe ich zwar das Bild, das aufgenommen wird in der eingestellten Schärfe, Blende und mit dem gewählten Weißabgleich im Display, der aufgenommene Ton lässt sich aber nicht auf seine Qualität überprüfen. Dieses Manko haben auch die Kamera-Apps, die bei iPhones und Android-Geräten vorinstalliert sind – zumindest bei meinem Huawei P9 Lite ist es so und auch bei allen anderen, die mir in den Workshops bislang untergekommen sind.

Das ist ärgerlich. Niemand würde auf die Idee kommen, ein Video bei abgeschaltetem Smartphone-Display aufzunehmen. Aber beim Ton wird dem Videoproduzenten ein Blindflug zugemutet.

Auf die App kommt es an

Elementare Voraussetzung für die Tonkontrolle ist eine Kamera-App, bei der sich die Aussteuerung manuell relgeln lässt und die Audio-Monitoring unterstützt. Also einen Pegelmesser anzeigt und den Ton auf den Kopf- oder Ohrhörer durchschleift. Zum Mithören während der Aufnahme.

Es gibt mittlerweile einige Apps für iPhones, die diese Kriterien erfüllen, wie Kinomatic (€ 4,49) oder Mavis Camera App  (€ 18,99). Mit diesen beiden habe ich keine praktische Erfahrung, weil ich seit Langem Filmic Pro (€ 16,99) verwende und damit gute Erfahrungen gemacht habe.

Filmic Pro 6

Filmic Pro gibt es auch für Android um € 12,99. Allerdings unterstützen nicht alle Smartphone-Modelle diese Anwendung. Daher sollte zuerst der kostenlose Filmic Pro Evaluator installiert und gestartet werden. Der ermittelt, ob die Vollversion von Filmic Pro auf dem Android-Smartphone genutzt werden kann. Auf meinem Huawei P9 Lite funktioniert sie nicht, daher muss ich auf die abgespeckte Version Filmic Plus zurückgreifen. Diese bietet zwar eine Aussteuerungsanzeige. Die Aussteuerung lässt sich aber nicht manuell regeln und die Aufnahme kann auch nicht mitgehört werden.

Die Audiooptionen sind aber immer noch besser als die der sonst guten App “Cinema FV-5” (Abbildung links). Die App zeigt die  Aussteuerung an, allerdings nur solange nicht aufgenommen wird.

 

Die Suche nach einem Android Videokamera-App, das die genannten Kriterien
erfüllt – Aussteuerungsanzeige, manuelle Aussteuerungseinstellung, Tonaufnahme
mithören – war aufwändig und erfolglos. Wer eine entsprechende App kennt – bitte
um eine kurze Nachricht in den Kommentaren. Danke im Voraus.

 

externes Mikrofon für besseren Ton

Wer Wert auf guten Ton in einem Video legt, wird um ein externes Mikrofon nicht herum kommen. Die Auswahl ist mittlerweile groß (in der Klammer das Modell, das ich benutze):

  • Mikrofon, das am Smartphone montiert wird (Rode VideoMic Me);
  • Mikrofon, das in der Hand gehalten wird (iRig Mic)
  • Ansteckmikrofon (Rode SmartLav+)
  • iRig-Vorverstärker, an den mittels XLR-Kabel jedes Mikrofon angesteckt werden kann.

Manche der Geräte, wie das Rode VideoMic Me, iRig Mic und der iRig-Vorverstärker verfügen über eine Kopfhörerbuchse, das Mithören der Aufnahme bei einem geeigneten Videokamera-App ist kein Problem.

Was aber tun, wenn das Mikrofon, wie das SmartLav+, keine Gelegenheit zum Mithören bietet?

Ein kleines Teil um € 12,99 schafft Abhilfe. Es heißt Rode SC 6 und bietet zwei Buchsen zum Einstecken von Mikrofonen und eine für einen Kopf- oder Ohrhörer. Der Adapter wird in die Smartphone-Buchse gesteckt; am Adapter werden Mikrofon und Ohrhörer eingesteckt.

Rode SC 6 (1) mit Ohrhörern (2) und Rode SmartLav+ (3) an einem iPhone 6.

Das funktioniert natürlich nicht nur mit Video-Apps, sondern auch mit Audiorekordern, wie dem Hindenburg Field Recorder (im Bild).

Was ist, wenn der Stecker nicht passt?

Smartphones haben – so wie auch Notebooks – nur eine Buchse für Kopfhörer UND Mikrofon. Daher benötigen sie vierpolige Stecker um beide Aufgaben bewältigen zu können. Was aber tun, wenn ein Mikrofon angesteckt werden soll, das nicht für ein Smartphone konzipiert ist? Dann muss ein Adapter dazwischen geschaltet werden, zum Beispiel der Rode SC 4. Er macht das dreipolige Signal für die vierpolige Smartphonebuchse verwertbar.

v.l.n.r.: 2-poliger (Mono), 3-poliger (Stereo) und 4-poliger Stecker (Smartphone)

Zuerst sollte aber geprüft werden, ob das Mikrofon überhaupt ohne Vorverstärker am Smartphone benutzt werden kann.

Wie sind Ihre / Deine Erfahrungen mit Audioaufnahmen im Smartphone, vor allem bei Videoaufnahmen? Ich freue mich über jede Erkenntnis.

 

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