News ohne Paper- und was auf TV zukommt

news-ohne-paper129 Jahre lang haben die Zeitungsherausgeber in den USA ihre Interessenvereinigung “Newspaper Association of America” genannt. Die Zeitungsherausgeber bedrucken zwar weiter Papier, aber ihre Vereinigung heißt seit heute “News Media Alliance“. Die Namensänderung “ist der Höhepunkt eines breiten Strategieplan um die Weiterentwicklung der Nachrichtenindustrie zu einem digitalen Multi-Plattform-Geschäftszweig und Premium-Content-Anbieter herauszustreichen”,  wird in der entsprechenden Presseaussendung begründet.

Die Auswirkungen der Medienkrise in den USA – und ihnen ist die Namensänderung letztlich geschuldet – sind aus europäischer Sicht ein Blick in die Zukunft. Die Entwicklungen kommen zeitversetzt (und oft abgeschwächt) über den großen Teich.

Wird der “Verband Österreichischer Zeitungen” auch irgendwann sein “Z” aus dem Namen streichen?

Liebgewordenen Gewohnheiten abschwören

Die Veränderungen in den US-Medienhäusern beschränken sich nicht auf Print. Auch das lineare Fernsehen bekommt sie zu spüren. Beim Internet-Schmökern bin ich auf ein Video gestoßen vom diesjährigen “Frankfurter Tag des Online-Journalismus”. Der war im April, ist also schon ein paar Monate her.

Dennoch, der Vortrag von Ulrike Langer, Journalistin, Medienberaterin und Transatlantik-Trendscout ist noch immer aufschlussreich. Unter dem Titel “Kill your darlings – wie US-Medienhäuser die Transformation bewältigen”, berichtet Ulrike Langer von den Erfolgen und Misserfolgen beim Versuch der Medienhäuser, ihre Produkte an die neuen Anforderungen anzupassen.

 


 

Ulrike Langers fünf Thesen:

  1. TV-Content braucht kein lineares Fernsehen mehr (z.B. Netflix und Amazon)
  2. Live-Video-Streaming ist die Direktübertragung für jedermann und jederfrau (Periscope, Facebook, …)
  3. Videos werden vergängliche Momentaufnahmen – aus der Sicht des Profi-Fernsehmachers oft trashig, aber spontan, ungefiltert, authentisch und vom Publikum begehrt (etwa auf Medien-Sektion “Discover” auf Snapchat mit einer Lebensdauer von 24 Stunden) …
    oder Videos werden aufwändig und multimedial (360-Grad-Videos, Augmented Reality, Virtual Reality)…
    für Mittelmaß, wie Ulrike Langer die klassischen Kurzbeiträge für Fernsehnachrichten nennt, besteht ihrer Meinung nach immer weniger Bedarf.
  4. Die Homepage ist tot – Nachrichten gehören dort publiziert, wo die User sind, also in den sozialen Netzwerken.
  5. Marktplätze für Videoproduktionen entstehen, wo die Produzenten von Bewegtbild und ihre Kunden ganz ohne Mittelsmänner zusammenkommen. Als Beispiel nennt Ulrike Langer “Storyhunter“, eine Plattform, die Videomacher aus 107 Ländern für Videoproduktionen vermittelt.

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