Vom guten Ton am Smartphone

Mikrotest-IlluDas Smartphone ist die Werkzeugkiste des Journalisten, die er in der Jackentasche mit sich herumträgt. Wie gut aber sind die Ergebnisse, die das Universalwerkzeug liefert? Zum Beispiel: die Audioqualität. Töne lassen sich problemlos aufnehmen, aber welche Mikrofone sind nötig um Geräusche, Interviews und Reportertexte aufzunehmen, die professionellen Ansprüchen genügen?

Ich habe verschiedene Wege ausprobiert, Töne in mein iPhone zu bekommen. Hier sind die Ergebnisse des Vergleichstests:

Getestet habe ich auf einem iPhone 4, als Aufnahme-App verwende ich zur Zeit Recordium, eine Anwendung, die mich wegen ihrer Funktionalität überzeugt.

Das eingebaute Mikrofon

iPhone-MikroDas eingebaute Mikrofon reicht für viele Anwendungsszenarien vollkommen aus. Im ORF-Landesstudio Salzburg nehmen wir regelmäßig Töne mit dem eingebauten iPhone-Mikrofon auf, schicken sie per Email in die Redaktion, wo sie berarbeitet und gesendet werden. Die Töne haben Sendequalität, wenn die Aufnahmebedingungen passen: keine laute Umgebung, wenig Wind, richtige Haltung (auf Höhe des Kehlkopfs, nicht direkt ins die Mikrofone an der Unterseite des Gerätes sprechen.)

Aus eigenen Erfahrungen und aus Berichten von Kolleginnen und Kollegen weiß ich, dass aber nicht alle Smartphones über ausreichend gute, eingebaute Mikrofone verfügen. Wenn zudem die Aufnahmebedingungen nicht passen, vor allem aber, wenn mit dem Smartphone  Video samt Interview aufgenommen werden soll, dann ist ein externes Mikrofon unvermeidlich.

Ergebnisse des Vergleichstests in Bild und Ton

iRig Mic

iRig

iRig Mic ist ein Kondensator-Handmikrofon, das die italienische Firma IK Multimedia speziell für die Aufnahme von Musik und Sprache auf  Smartphones gebaut hat. Das zeigt sich schon daran, dass das Mikrokabel den speziellen vier-poligen Stecker (TRRS) hat, der in die Mikrofon-Kopfhörer-Kombibuchse der Smartphones passt. Damit ist kein Zwischenstecker nötig. Gleichzeitig ist am Mikrofonstecker ein Kopfhörerausgang eingebaut, so dass sich die Aufnahme unmittelbar kontrollieren lässt.
Das Mikrofon verfügt über drei Einstellungen für den Aufnahmepegel, er kann also an die Umgebungsgeräusche (laut – normal – leise) angepasst werden. Die Aufnahmequalität ist gut, allerdings fehlen meine Empfinden nach die tiefen Frequenzen. Das iRig Mic habe ich schon um € 35,00 gesehen.AKG-C1000S

AKG C1000S

Schon im vergangenen Jahrtausend, als Radioreporter noch auf Minidisc und DAT aufgenommen haben, war das AKG C1000S mein erklärtes Lieblingsmikrofon. Zuverlässig liefert es beste Tonqualität. Das vielseitige Mikrofon ist seither weiterentwickelt worden, es bietet sich natürlich auch für Aufnahmen auf dem Smartphone an. Die vielen, hochwertigen Features haben allerdings ihren Preis. Um die € 130 muss man für das C1000s schon rechnen.

Das Mikrofon ist von vornherein nicht auf den Anschluss an Smartphones ausgelegt. Der Audioausgang ist ein dreipoliger XLR-Stecker. Für den Anschluss an ein Smartphone ist daher ein Adapter notwendig, wie etwa dieses Kabel. Damit lässt sich das C1000S direkt an das Smartphone anschließen. Die Aufnahmequalität ist tadellos, vor allem, wenn der Aufnahmepegel über die Aufnahme-App geregelt werden kann.

Von noch besserer Qualität ist die Audioaufnahme, wenn zwischen Mikrofon und Smartphone ein Vorverstärker geschaltet wird, der die oft schwachen Signale am Ausgang eines Mikrofons auf brauchbare Werte verstärkt. Auch in diesem Segment bietet IK Multimedia ein Produkt an, dass sich in der Aufnahmepraxis bewährt. Der iRig Pre ist für den Einsatz mit Smartphones optimiert: der vierpolige Stecker passt ohne Adapter in die Kopfhörerbuchse. Der batteriebetriebene Vorverstärker hat eine Phantomspeisung für Kondensatormikrofon, so dass diese (wie etwa das AKG C1000S) keine eigene Batterieversorgung mehr brauchen.

Am iRig Pre (Preis um € 25) lässt sich mit einem Drehrad der Aufnahmepegel regeln, ein Kopfhörer kann zur Kontrolle der Aufnahme angeschlossen werden. Auch wenn mit einem Vorverstärker ein zusätzliches Teil am Smartphone angeschlossen ist, macht er qualitativ gute Audioaufnahmen leichter.

Ansteckmikrofon

lavallier

Keine Chance auf technisch brauchbare Aufnahme ohne Vorverstärker habe ich mit meinem kostengünstigen Ansteckmikrofon. Wenn das schwache Signal allerdings ausreichend verstärkt wird, dann ist die Tonqualität aus meiner Sicht überraschend gut. Etwas dumpf, aber einwandfrei. Die sechs Meter Kabel reichen auch aus, um bei Videoaufnahmen einen Protagonisten zu verkabeln und ihn in Bewegung zu interviewen. Das ist an sich die große Stärke von Funk-Lavaliermikrofonen – gute Systeme sind jedoch ordentlich teuer .

Fazit

Für viele Aufnahmesituationen reicht das eingebaute Mikrofon des iPhone aus um brauchbare Audioqualität zu bekommen. Das ist nicht bei jedem Smartphone gleich. Daher sollte beim Kauf eines Gerätes auch auf die Qualität der Mikrofone geachtet werden, wenn das Smartphone als Audioaufnahmegerät verwendet werden soll. Mit dem richtigen Adapter lässt sich de facto jedes Mikrofon an einem Smartphone betreiben – es muss nicht ein spezielles Mikro sein. Wer sicher gehen will, dass die Qualität seiner Audioaufnahmen auch in schwierigen Situationen professionellen Ansprüchen genügt, der sollte in einen Vorverstärker investieren.

Gute Mikrofone kosten gutes Geld – dafür liefern sie dann aber auch eine Tonqualität, mit der man zufrieden sein kann. Das zeigt auch der Vergleichstest in diesem Posting.

Nachtrag am 22.2.2015

Mikrotest Rode Smartlav+Mittlerweile habe ich das Smartlav+ von Rode gekauft. Es handelt sich dabei um ein Ansteckmikrofon, das laut Firmenangaben speziell für Smartphones geschaffen wurde. Es ist deswegen schon ab Fabrik mit einem vierpoligen Stecker ausgestattet. Das Mikrofon liefert tadellose Tonqualität, braucht dazu auch keinen Vorverstärker. Die gute Aufnahmequalität rechtfertigt den Preis von nicht ganz 60 Euro:

Mikrotest Rode Smartlav+ 

Allerdings verbindet die omnidirektionale Kapsel – die also Ton aus allen Richtungen aufnimmt – den vierpoligen Stecker mit einem recht kurzen Kabel. Mit einem Verlängerungskabel, das für wenige Euro erhältlich ist, lässt sich das Smartlav+ dann auch für Video-Interviews einsetzen mit dem Vorteil, dass die Person, die die Smartphone-Kamera bedient, sich keine Gedanken mehr über die passende Position des Mikrofons mehr machen muss. Das Ansteckmikrophon ist ja an der Kleidung des Inteviewpartners oder an der Interviewpartnerin montiert.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.