“Wenn Journalismus bleibt, wie er ist, bleibt er nicht”

Miriam Meckel (c) Claude Stahel
Beim “Reporter Forum 2012” am 14. Juni hat die Kommunikationswissenschafterin Miriam Meckel in einer Videobotschaft die Herausforderungen für den Journalismus der Zukunft aus ihrer Sicht zusamengefasst. “kress. Der Mediendienst” hat darüber berichtet. Die Zukunft des Journalismus liegt für Meckel nicht mehr darin, die Welt zu erklären, sondern die Dauergespräche und Datenströme zu kuratieren – und dies mit einem möglichst individuellen Stil. Darüber hinaus müssten Journalismus und seine Geschäftsmodelle diverser und wandlungsfähiger werden. Und wer Social Media nicht nutze, verfehle seinen Job, sagte Meckel.

Miriam Meckel hat in ihrer Videobotschaft den Teilnehmern des “Reporter Forum” fünf Thesen zur Zukunft des Journalismus präsentiert:

  • These 1: Der journalistische Welterklärer-Ansatz hat ausgedient.

Bislang waren die Journalisten mächtig, weil sie alleine Zugang zu Informationen hatten. Nun kommen auch die Mediennutzer an die meisten dieser Infomationen heran und der Journalist muss seine Rolle neu verstehen, als einer, der im dauernden Dialog mit seinen Lesern ist. Er übernimmt auch kuratiernede Funktionen für Informationen, die aus dem Kreis seiner Leser kommen. In diesem Dialog werden Communities aufgebaut, die zu Dauerbeziehungen zwischen Journalisten und ihrem Publikum führen können.

  • These 2: die neue Medienmarke ist individuell.

Marken von Medienhäuser werden weniger wichtig, Marken einzelner Journalisten dagegen werden bedeutsamer. Rezipienten lesen Berichte und Kommentare, weil sie Vertrauen zur Glaubwürdigkeit von Journalisten haben. Um ein solcher Journalist zu werden, bedarf es nicht mehr unbedingt der Zugehörigkeit zu einem Medienhaus. Vielmehr muss er oder sie etwas zu sagen haben, gut schreiben können und das liefern, was die Menschen von ihm oder ihr erwarten. Der Fokus geht auf die USP des Journalisten, der Journalistin und das ist der persönliche Stil eines Journalisten, einer Journalistin, die thematische Fundierung und der Mut zur Positionierung.

  • These 3: Wer die sozialen Medien nicht nutzt, der verfehlt seinen Job.

Im Internet sind unglaublich viele Informationen vorhanden, aber man muss wissen wie und wo diese zu finden sind. Die neuen Kompetenzanforderungen an die Jouranlisten sind daher, diese Informationen auch mithilfe von neuen Werkzeugen so zusammen zu tragen, dass eine neue Geschichte entsteht, dass ein neuer Blick auf alte Geschichten entsteht. Bewährte Handwerkstechniken wie die Recherche gehören erweitert, wenn etwa auf der Suche nach Augenzeugen für einen Vorfall soziale Netzwerke wie Twitter genutzt werden.

Das läuft auf Crowdsourcing hinaus, dass also  Teile des Publikums die Arbiet der Journalisten aktiv unterstützen.

Das läuft auf Datenjornalismus hinaus, auf die Verarbeitung großer Datenmengen. Dafür braucht es eine neue Journalistenausbildung und konsequente Weiterbildung für Journalisten.

  • These 4: Wenn der Journalismus bleibt wie er ist, dann bleibt er nicht.

Wenn es um Zahlen und Ergebnisse geht, können Computer-Algorithmen die ständig wachsende Menge an Informationen im Netz umfassender und auch billiger als Menschen auswerten und sogar schon Texte schreiben. Damit bekommen die Journalisten ein Legitimationsproblem. Daher müssen sich Journalisten an der Diskusison über die Zukunft ihres Berufsstandes beteiligen. Das kann nicht allein die Wissenschaft, können nicht allein die Experten tun. Journalisten sollten argumentieren: wenn wir einen menschlichen und nicht nur einen ausgerechneten Blick auf die Welt wollen, dann braucht es menschen. Journalisten müssen unter Beweis stellen, dass sie für die Vermittlung gut aufbereiteter Information unersetzlich sind.

  • These 5: Journalismus ist von nun an permanente Transformation.

Die Grenzen der traditionellen Medienstrukturen lösen sich auf – zwischen Produzenten und Konsumenten von Inhalten, zwischen Online und Offline, zwischen Ressorts, etc. Es muss mehr Diversität für einen globalen Informationsraum geben. Das gilt auch für die Geschäftsmodelle. Wer auch in Zukunft auf einen Ansatz setzt, wird enttäuscht werden.Es gibt schon jetzt unterschiedliche Finanzierungsmodelle, es werden noch mehr: Stiftungsfinanzierung, Paywalls, Flatrates, Freemium-Modelle, etc.

Alles muss neu geordnet werden, alles ist ständig im Fluss. Das ist anstrengend, aber es gibt keine Alternative dazu. Auch Journalisten gehören zu jenen, die auf dem Weg sind Neues zu finden, aber keine Ahnung haben, wo sie landen werden.

Die Videobotschaft im Original auf der Seite von Spiegel Online:

Miriam Meckel (c) Spiegel Online
Miriam Meckel beim Reporter Forum 2012

 

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