Neugriechisch

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Kurze Geschichte des Neugriechischen

Waehrend der byzantinischen Periode und in den Jahren tuerkischer Herrschaft entwickelte sich die griechische Hochsprache nicht weiter. In der Hauptsache wurden theologische Werke und religioese Dichtung verfasst. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete sich mit den Anfaengen eines nationalen Bewusstseins ein aufstrebendes griechisches Buergertum heraus.

Bis circa 1880 wurde das Buergertum jedoch vor allem von Reedern und umherreisenden Kaufleuten angefuehrt, die ausserhalb Griechenlands in den griechischen Niederlassungen lebten und sich sprachlich und kulturell an einem idealisierten athenischen Erbe orientierten. In Griechenland selbst, in dem weiterhin die Tuerken herrschten, wurden die Energien der Menschen von den revolutionaeren Bestrebungen zur Erlangung der nationalen Unabhaengigkeit aufgezehrt.

Im 19. Jahrhundert hatten die nunmehr freien Griechen dringendere Sorgen als die Pflege ihrer Sprache. Ergebnis war, dass sich in der jungen Nation keine einheitliche Sprache herausbildete. Um die Volkssprache noch besser in der Erziehung und zur allgemeinen Verstaendigung einsetzen zu koennen, bemuehten sich im spaeten 19. Jahrhundert griechische Gelehrte und Schriftsteller um ihre Systematisierung. Nach der Bezeichnung Demotike fuer die Volkssprache wurden die fuehrenden Persoenlichkeiten dieser starken Bewegung Demotikisten genannt. Bekannte Verfechter waren der Dichter Dionysios Solomos und der franzoesische Philologe griechischer Abstammung Jean Psichari. Die wichtigsten Ergebnisse der Bewegung waren die Erarbeitung einer Grammatik dieser Volkssprache und die Produktion zahlreicher literarischer Werke, die die Errungenschaften, das Leben und die Braeuche der einfachen Menschen zum Inhalt haben.

Auch im heutigen Griechenland schreiben die meisten Romanciers und Dichter in dieser Sprache. Gegner der Demotikisten waren die Puristen, Anhaenger der Katharevussa, eines gereinigten Griechisch. Diese Gelehrten beabsichtigten in erster Linie, dem griechischen Volk das antike kulturelle Erbe wieder bewusst zu machen. Sie schenkten der weit verbreiteten geschriebenen und gesprochenen Volkssprache keinerlei Beachtung, sondern propagierten eine elegante, gelehrte, kuenstliche Sprache, die sich eng an das Griechisch der Antike anlehnte und abgehoben von der Sprache des Alltags war. Zur Pflege der Katharevussa empfahlen sie das Studium der antiken Schriftsteller, vor allem der traditionellen Stilisten und Dichter. Zu den fuehrenden Gelehrten dieser Bewegung zaehlten mehrere Professoren fuer Philologie an der Universitaet Athen. Als Ergebnis ihrer Kampagne fuehrten verschiedene diktatorische Regierungen die Katharevussa als Amtssprache ein, doch 1975 wurde durch Parlamentsbeschluss auch die Demotike endgueltig als Amtssprache anerkannt. Sie wird seitdem von der Regierung, allen Zeitungen und den meisten Universitaetsprofessoren verwendet.

Die puristische und die volkstuemliche Form des Neugriechischen unterscheiden sich hauptsaechlich dadurch, dass erstere in Grammatik, Orthographie und Wortschatz dem Altgriechischen viel naeher steht. Phonetisch sind beide voellig gleich; vom Altgriechischen weichen sie insofern ab, als sie fuer hervorgehobene Silben statt der Tonhoehe die Tonstaerke verwenden und Vokale und Diphthonge anders aussprechen. So wird z. B. im Neugriechischen der Diphthong oi in anthropoi („Menschen") als einfacher Vokal, wie ein deutsches i, ausgesprochen. Die wichtigsten grammatikalischen Unterschiede zwischen Alt- und Neugriechisch sind in der Deklination und Konjugation zu finden. Neugriechisch (Demotike und Katharevussa) hat in der Deklination gegenueber dem Altgriechischen zwei Formen aufgegeben: den Dualis, eine Form, die anzeigt, dass sich ein Substantiv, Pronomen oder Adjektiv auf zwei Personen oder Dinge bezieht, und den Dativ, der nur noch in einigen idiomatischen Wendungen vorkommt. Der Dualis ist auch aus der Verbkonjugation verschwunden, ebenso wie der Optativ, ein Modus, der im Altgriechischen Zweifel oder Wunsch ausdrueckte, und der Infinitiv. Die Funktion, die im Altgriechischen die besonderen Verbformen fuer die verschiedenen Zeiten hatten, uebernehmen im Neugriechischen Hilfsverben. Die altgriechischen Imperative sind weitgehend durch die Konstruktion eines Hilfsverbs mit dem Konjunktiv ersetzt worden.

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Ganz persoenliche Anmerkungen zum Studium der neugriechischen Sprache

Der unmittelbare Kommentar vieler Menschen zum Thema Neugriechisch lautet: "Das ist aber eine komplizierte Sprache".

Mitnichten. Neugriechisch ist in letzter Konsequenz nicht schwieriger als Englisch, Franzoesisch, Italienisch oder Russich.

Mit einem kleinen aber massgeblichen Unterschied: Der Englischlernende hat sehr bald ein Erfolgserlebnis, kann sich schon sehr bald zumindest ein wenig unterhalten. Bevor er dann zum Beispiel mit dem unsaeglichen (aber hochinteressanten Thema) der verbal phrases konfrontiert ist.

Vor einer eingermassen fluessigen Konversation in neugriechischer Sprache steht dagegen eine beinharte Konfrontation mit einer (dem Deutschen vergleichbaren) ausgefeilten Grammatik mit unterschiedlichsten Formen beim Zeitwort und mannigfaltigen Deklinationen beim Hauptwort.

Daher - und vor allem wegen des anderen Alphabets (ein so schoenes, urgriechisches Wort!) - mag der Eindruck entstehen, dass Neugriechisch sehr schwierig zu erlernen sei.

Ein Eindruck, der taeuscht! Wer wirklich vorhat, nicht nur die griechische Sonne, die Sandstraende des Landes und sein Essen zu konsumieren, sondern auch Land und Leute kennen zu lernen, der sollte kein Scheu vor der neugriechischen Sprache haben. Sie ist zu erlernen, mit weniger Aufwand als die meisten befuerchten.

 

 

 

 
     
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